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  • Sara Steden

Das Ilio-sakral-Gelenk

Was ist das eigentlich, welche Rolle spielt es im Bewegungsapparat und warum spielt es so häufig eine Rolle bei Schmerzen im Bereich des Beckens, unteren Rückens und der Beine?


Was ist das eigentlich?

Das Ilios-sakral Gelenk, oder Kreuzbein-Darmbein Gelenk ist ein Teil des knöchernen Beckens.





Das Becken wird von zwei symmetrischen Hüftbeinen und dem Kreuzbein (lat. Os sacrum) gebildet.

Im vorderen Bereich des Beckens treffen die beiden Schambeine in der Symphyse aufeinander.


Die Hüftbeine wiederum setzen sich aus je einem Darmbein (lat. Os ilium), einem Sitzbein (lat. Os ischii) und einem Schambein (lat. Os pubis) zusammen. Diese drei Knochen treffen im Bereich der Hüftgelenkspfanne (Acetabulum) zusammen.


An der Rückseite des Beckens bilden das Darmbein und das Kreuzbein (lat. Os sacrum) das Kreuzbein-Darmbein- oder Ilio-sakral-gelenk, kurz ISG. Da das Kreuzbein an beiden Seiten mit je einem Darmbein ein Gelenk bildet, haben wir zwei Iliosakralgelenke - ein rechtes und ein linkes. Im vorderen Bereich des Beckens sind die beiden Schambeine über die Schambeinfuge (Symphyse), eine Knorpelscheibe, miteinander verbunden.


Die Form des Ilio-sacral-Gelenks ist besonders:

Die Gelenkflächen der am Gelenk beteiligten Kochen haben eine bumerangförmige Gestalt und befinden sich in der oberen Hälfte des Kreuzbeins. Der sogenannte Formschluss kommt durch die Keilposition des Kreuzbeins zwischen den beiden Darmbeinschaufeln und der Beschaffenheit der Gelenkflächen zustande. Das Kreuzbei sitz regelrecht wie ein Keil umhinteren Bereich des Beckens. Ein fester Kapsel-Band-Apparat und die umgebende Muskulatur stabilisieren das Gelenk zusätzlich (Kraftschluss).


Das Kreuzbein liegt also zwischen den beiden Darmbeinen und wird durch die umliegenden Strukturen stabilisiert.



Welche Rolle spielt es im Bewegungsapparat?


Der knöcherne Beckenring erlaubt nur eine geringe Beweglichkeit. Diese Stabilität ist eine wichtige Voraussetzung für die Übertragung der Rumpflast auf die unteren Gliedmaßen.

Anders als bei den sogenannten freien Gelenken, wie z.b. dem Kniegelenk lässt sich das ISG nicht bewusst isoliert bewegen. Vielmehr leitet es beim Laufen, Heben und Tragen das Gewicht des Oberkörpers an Hüfte und Beine weiter und federt umgekehrt von den Füßen und Beinen kommende Stöße ab. Dabei bildet die Kraftverteilung eine Kreuz. Die vertikale Achse fällt vom Schädel über die Wirbelsäule bis ins Kreuzbein, dort wird die Kraft auf eine horizontale Achse umgeleitet und das Gewicht des Oberkörpers kann über dass Becken in die Hüftgelenke und in die Beine geleitet werden.


Es hat also eine stabilisierende Funktion und lässt gleichzeitig wenige Millimeter Bewegung zu. Diese Bewegungen sind nötig, um alle umliegenden Strukturen optimal arbeiten zu lassen und Bewegungen harmonisch auszuführen.


Nicht selten kommt es ,häufig einseitig, zu einer Art Blockade des ISG. Typische Auslöser sind ein Verheben, z.B. eine schwere Tasche mit einer Drehbewegung des Oberkörpers heben, aus dem Auto aussteigen, oder ein Tritt ins Leere beim Übersehen einer Treppenstufe. Ein guter Nährboden für die Entstehung von Beschwerden ist die Gewohnheit, beim Sitzen die Beine übereinander zu Schlagen. Dabei entsteht im Bereich der ISG ein einseitinger Zug, das gesamte Becken wird in dieser Sitzposit auf einer Seiten leicht nach vorne gedreht.



Warum spielt das ISG häufig eine Rolle bei Schmerzen im Bereich des Beckens,

unteren Rückens und der Beine?


Eine Fehlstellung des ISG kann (muss allerdings nicht zwangsläufig) zu schmerzhaften Beschwerden in verschiedenen Regionen des Körpers führen.


Ist das ISG blockiert, verursacht es häufig "Ischias-artige" Schmerzen im seitlichen unteren Rücken (auf Höhe des unteren oberen Darmbeinstachel) sowie ein Ausstrahlen des Schmerzen in die Leiste und Hüfte bis hin zum Knie, teilweise auch bis in den äußeren Anteil der Wade. Eine Erklärung für diese ischias-artigen Schmerzen ist, dass der Ischiasnerv, der durch einen Muskel zieht, der wiederum am Kreuzbein entspringt (M. Piriformis) durch eben dieser Muskel und seine erhöhte Spannung gereizt wird. Der Mechanismus ist dem eines Bandscheibenvorfalls ähnlich und nicht selten wird eine Störung im Beriech des ISG wegen der ins Bein ausstrahlenden Schmerzen für einen Bandscheibenvorfall gehalten


Hinzu kommt, dass im Kapsel-Band-Apparat des ISG viele Nervenenden liegen, die wenn Druck auf die Strukturen ausgeübt wird (z.B.durch erhöhte Muskelspannung), diese Information als Impulse an das Gehirn weiterleiten, wo sie als Schmerz interpretiert werden.


Kreislauf der Muskelspannung:

Es setzten weitaus mehr Muskeln sowohl an Kreuz- als auch am Darmbein an, die Schmerzen und Beschweren im Bereich des Beckens und unteren Rückens verursachen können. Ich beziehe mich hier auf einen Kreislauf, der für mich sinnvoll erscheint und den ich in der Praxis häufig beobachte:


Der tiefer Beugemuskel in der Hüfte (lat. M. psoas major) hat oft haltungs- und stressbedingt einen zu hohen Muskeltunus (= Muskelgrundspannung) oder ist nicht kräftig genug . Einer seiner Gegenspieler, der große Gesäßmuskel (lat. M. gluteus Maximus) hält eine ganze Zeit mit seiner Spannung dagegen, bis er irgendwann aufgibt und in eine Art Amnestie verfällt - er gibt ganz einfach auf und erschlafft. Damit sein Besitzer nicht nach vorne umfällt, springt der quadratische Lendenmuskel (lat. M. quadratus lumborum) ein und arbeitet mehr als er eigentlich sollte. Dies führt zu einer erhöhten Muskelspannung im Bereich des unteren Rückens.


Zwei Ansätze diesen Kreislauf zu lösen, ist zum einen die Entspannung (Detonisierung) der tiefen Beugemuskeln in der Hüfte und zum anderen eine Kräftigung der Gesäßmuskulatur. Weist der quadratische Lendenmuskel bereits zu viel Spannung auf, kann es hilfreich sein und diese Muskulatur manuell z. B. mit Hilfe eines Tennisballs, zu lösen.


Warum haben flexible Menschen häufig Beschwerden, die mit einem instabilen ISG in

Zusammenhang stehen?


Bewegliche Menschen haben häufig ein weiches Bindegewebe, also auch einen elatischen Bandapperat. Das hat zu Folge, das auch das ISG unzureichend stabilisiert wird. Dehnungen, vor allemVorbeugen, fühlen sich für diese Menschen häufig besser an, als kräftigende Haltungen weil Sie ihnen leichter fallen. Darum werden sie in der Praxis oft bevorzugt. Durch viele Vorbeugen bekommt dieser bereits instabile Teil des Körpern noch mehr "Spielraum" und das ISG blockiert leichter.


Ein Ansatz, dem ISG zu mehr Stabilität zu verhelfen und Beschwerden zu lidern oder Ihnen vorzubeugen, sind Haltungen, die vor allem die Gesäß- und Rumpfmuskulatur kräftigen sowie die tiefe Beugemuskulatur der Hüften entspannen. Hier findest du ein Beispiel, wie das aussehen kann:





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